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Die Sündensteuer: Was ist das und was sind die Unterschiede Weltweit?

01. Juli 2020 | 07:24 Autor: Anna Müller Startseite

Österreich - Wie sieht es aus mit der Sündensteuer aus? Das wäre eine Möglichkeit die Ergebnisse des Nanny State Index 2019 zu bewerten. Dieser Index zeigt anhand von 35 Kriterien an, wie stark ein Land seine Bürger durch Steuern reguliert in Puncto Alkohol-, Tabak-, E-Zigaretten- oder auch Zuckerkonsum.

Österreich hat es EU-Weit unter die Top 5 der freiesten Länder geschafft. Ob das jetzt der Ausdruck eines liberalen Staates ist oder von einer fehlgeschlagener Präventionspolitik zeugt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass “Sünden” in Österreich vergleichsweise wenig besteuert ist.

Warum eine Sündensteuer?
Nun, die Frage, warum ein Staat selbst Sünden oder Vergnügen besteuern soll drängt sich zu Recht in den Raum. Grundsätzlich lässt sich das von mehreren Winkeln betrachten. Ohne eine Wertung vorzunehmen, wollen wir diese einmal genauer beleuchten.

Der Grundgedanke einer Sündensteuer (Sin Tax) ist es die Menschen vor Aktivitäten abzuschrecken, die schädliche Folgen haben. Es hebt die Kosten an und das soll dadurch zu einem Rückgang dieser Aktivitäten führen. In der Theorie sollen die Einnahmen aus den verlangten Steuern dem Staat dabei helfen für die Kosten aufzukommen.

Gegner der Steuer beklagen, dass die Steuer nicht hoch genug ist, um das Verhalten auch effektiv zu beseitigen. Sie nehmen dem durchschnittlichen Bürger zwar jeden Monat etwas mehr Geld aus der Tasche, nutzen kommt jedoch kaum. Auch die Einschränkung der Freiheit ist immer ein großer Punkt. Grundsätzlich sollte jeder Bürger für sich entscheiden können, ob und wie viel er sündigen möchte.

Auch die Kosten für die Gesellschaft können dadurch nicht komplett getragen werden und es stellt sich die Frage, ob die Einnahmen dadurch wirklich an den entsprechenden Stellen ankommen. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Steuer sehr subjektiv ist, da andere schädliche Substanzen nicht mit gewertet werden.

Die Steuer macht jedoch nicht nur vor Substanzen halt. In den USA fällt auch Glücksspiel in die Kategorie, weshalb Einrichtungen wie das EuroGrand Casino beispielsweise in manchen Staaten extra zur Kasse gebeten werden können. Dies kann von den jeweiligen Staaten eigens entschieden werden.

Österreich im internationalen Vergleich
Im EU Vergleich steht Österreich wie oben schon beschrieben sehr gut da. Überraschenderweise ist das freieste Land Deutschland. Hier gibt es keine Steuern auf Zucker, Liquids für E-Zigaretten und weitgehend freie Regeln für Werbung. Auch Alkohol- und Tabaksteuer liegen weit unter dem EU-Durchschnitt.

Wenn man den Blick jedoch mal weiter in die Ferne richtet, gibt es noch weitere spannende Regelungen im Bereich Sündensteuer. So beispielsweise in Katar, wo in etwa 2 Jahren die Fußball Weltmeisterschaft der Männer stattfindet.

Die Fans, die Live am Spielgeschehen teilhaben wollen, könnte jedoch ein kleiner Kulturschock treffen, wenn Sie versuchen sich ihr frisches Bier zum Spiel zu ordern. Im arabischen Golfstaat ist der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit nämlich strikt verboten die Preise für Bier und Co wurden auch noch einmal angehoben.

Nachdem im Januar 2019 hier die Sündensteuer eingeführt wurde, darf der Fan sich die Palette Bier für stolze 90 Euro zu gemüte führen. Im Fußballstadion liegt der Preis für einen Liter damit bei 11,36 Euro, was den Preisen auf dem Münchner Oktoberfest ähnelt.

Hinzu kommt, dass die alkoholischen Getränke ausschließlich in festgelegten Zonen konsumiert werden dürfen. Bis Dato ist jedoch noch unklar, ob in den Stadien überhaupt Bier verkauft werden soll. Klar ist nur, dass das Thema Alkohol zur WM ein heikles Thema sein wird. Das dürfte dem ein oder anderen Fan nicht so sehr schmecken.

Welche Länder sollten “Sünder” meiden?
Sie genießen das Gläschen Rotwein zum Abendessen und ein Stück Schokolade als Dessert? Dann gibt es ein paar Länder, die Sie eher vermeiden sollten. An der Spitze des Nanny State Index (NSI) steht Finland. Hier werden die Bürger besonders hoch für Alkohol, Tabak, Schokolade und gesüßte Getränke an die Kasse gebeten.

Hinzu kommt, dass E-Zigaretten und Happy Hours komplett verboten sind. TV-Werbung für bier und Wein sind nur nach 22 Uhr gestattet. Falls Sie mit dem Gedanken spielen sollten Alkohol in Finnland zu verkaufen, wird Ihnen der Staat auch hier einen Strich durch die Rechnung machen. Dieser hat nämlich ein Monopol auf den Verkauf von Alkohol.

Als überzeugter Raucher haben Sie es in Großbritannien schwer. Hier wird nämlich der EU Rekord für Steuern auf Wein und Zigaretten gesetzt. Nirgendwo anders wird das Rauchverbot so drastisch durchgesetzt wie bei den Briten. Überraschenderweise sind sie jedoch im Bezug auf E-Zigaretten deutlich liberaler als viele andere EU-Länder.

Am Ende hat jedes Land seine eigenen Regelungen und Besonderheiten. Das Thema Sündensteuer wird kontrovers behandelt und jeder muss für sich entscheiden, ob er die persönliche Freiheit bevorzugt oder präventive Maßnahmen zum Allgemeinwohl.


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