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Almas Aidarov, stellvertretender Außenminister der Republik Kasachstan

Österreich ist einer der führenden und stärksten Handelspartner Kasachstans in Europa

30. November 2020 | 08:04 Autor: WZ Startseite

Almas Aidarov, stellvertretender Außenminister der Republik Kasachstan im exklusiven Wirtschaftszeit-Interview.

Wie gut funktioniert es angesichts der Pandemie im Jahr 2020, ausländische Investitionen in Kasachstan anzuziehen?
Kasachstan zieht jährlich ausländische Direktinvestitionen in Höhe von rund 25 Milliarden US-Dollar aus 20 Ländern an.

Wie in anderen Ländern der Welt erwarten wir für 2020 einen Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen. Die heutige Welt erlebt eine der schwersten Rezessionen des vergangenen Jahrhunderts. Nach Prognosen der Weltbank werden die Weltwirtschaft um 5,2 Prozent und die ausländischen Direktinvestitionen um 40 bis 50 Prozent schrumpfen. Wir haben die Auslandsinvestitionen im Jahr 2020 um etwa 30 Prozent reduziert. Wir sehen diesen Rückgang hauptsächlich im Öl- und Gassektor. Der Investitionsfluss in den für die Diversifizierung unserer Wirtschaft wichtigsten Sektoren wie dem verarbeitenden Gewerbe, dem Maschinenbau und dem agroindustriellen Komplex bleibt unverändert.

Wie sehen die Handelsbeziehungen Kasachstans zu Österreich aus?
Österreich ist einer der führenden und stärksten Handelspartner Kasachstans in Europa. Die Länder sehen einander als für beide Seiten vorteilhafte Partner. Österreich interessiert sich vor allem für den Import von Energieressourcen aus Kasachstan, Kasachstan wiederum für die fortschrittlichen österreichischen Technologien und das Know-how.

Österreichische Unternehmen verfügen über Technologien und moderne Innovationen, die auf bestimmte Projekte in Kasachstan angewendet werden können.
Wichtige Aufgaben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Österreich sind daher der Technologietransfer und die Lokalisierung der europäischen Produktion in Kasachstan.

Was sind Ihrer Meinung nach die Interessen von Großinvestoren in Kasachstan?
Natürlich interessieren sich große Unternehmen nach wie vor für den Bergbau- und Hüttenkomplex. Hier meine ich nicht den Öl- und Gassektor, sondern feste Mineralien. Bisher wurden über tausend Lizenzen für feste Mineralien ausgestellt, die sich in privater Hand befinden. Die Ära der Seltenerdmetalle beginnt gerade erst. Dies ist eine großartige Gelegenheit für neue Investoren, die das Potenzial des Bergbau- und Hüttenkomplexes, einschließlich der Verarbeitung und des Exports von Fertigprodukten, voll ausschöpfen können.

Zweitens ist die Landwirtschaft: Aktuell wird häufig festgestellt, dass es weltweit Probleme mit der Ernährungssicherheit geben wird. Die Landwirtschaft und die Entwicklung der Lebensmittelindustrie sind für uns sehr wichtig und vorrangig. Die Landwirtschaft nimmt in der Struktur unserer Wirtschaft einen kleinen Platz ein, etwa fünf Prozent. Wir befinden uns jedoch geografisch in der Nähe von so großen Absatzmärkten wie China und Russland.

Der dritte Bereich ist die Transport- und Logistikbranche, die über ein Transitpotenzial und eine vorgefertigte Basisinfrastruktur verfügt. Wir haben einen multimodalen eurasischen Verkehrskorridor eingerichtet. Der Containertransport China-Kasachstan-Europa ist die rentabelste Route für den Warentransport. Wir können Waren aus den südöstlichen Provinzen Chinas in maximal 15 Tagen nach Europa liefern. Beispielsweise wird der Transkontinental-Highway Westeuropa-Westchina in nur zehn Tagen Güter zwischen China und Europa transportieren.

Was sind die Hauptgründe, warum ausländische Unternehmen mit ihrem Kapital nach Kasachstan gehen sollten?
Unsere rechtliche Infrastruktur für Investitionstätigkeiten ist zufriedenstellend – sie entspricht internationalen Standards. Fast alle Bereiche des verarbeitenden Gewerbes und der Landwirtschaft werden mit Präferenzen versehen, die zur Senkung der Produktionskosten beitragen. Wir verstehen auch, dass Investoren Stabilität der Gesetzgebung in Bezug auf Steuern und Steuersätze fordern. In unserem Land wird die Gesetzgebung 25 Jahre lang stabil sein, in denen sich die Bedingungen nicht ändern werden.
Die Bedürfnisse der Investoren haben bei der Führung des Landes eine gewisse Priorität. Dafür gibt es auf allen Ebenen Dialogplattformen. Der Rat der ausländischen Investoren arbeitet seit 22 Jahren unter dem Vorsitz des Staatsoberhauptes, und der Rat zur Verbesserung des Investitionsklimas arbeitet unter dem Premierminister. Darüber hinaus gibt es in Kasachstan die Institution des Investment-Ombudsmanns als Instrument zur vorgerichtlichen und außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten.


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